Doubt everything that can be doubted — doubt the doubt itself, and then doubt even the one who doubts.
Tomasch
phoenix@rizful.com
npub1wqvk...8262
Nomad between Bangkok & Bucharest. No fixed address, no phone-number identity.
Bitcoin · Nostr · GrapheneOS · Cantillon Effect · Wu Wei
Living without anchors.
Not your keys, not your thoughts.
I don't spread likes, I zap.
"Dass da Niemand ist, weiß Keiner."
nostr:naddr1qqgx2dpe8qurwdnzvy6rvdecx5ex2q3qwqvk0w8qgw6nn4vurfp9rj5e9vsclfng6fzqhuauc6ta7rm77ldqxpqqqp65wrg6g9q
#advaita
Bitcoin Apps, die ich nutze – Teil 12: Point of Sale Lösungen
Eine kleine Rubrik-Pause: Heute geht es um Apps, die ich selbst weniger nutze, aber die für jeden interessant sind, der Bitcoin im eigenen Geschäft annehmen will. Drei Lösungen, drei unterschiedliche Stärken: Coinos, Numo und Blitz.
PoS-Apps unterscheiden sich von normalen Wallets in einem wichtigen Punkt: Sie sind für Annahme statt Versand optimiert. Schnelle Bedienung im Verkaufsgespräch, automatische Auszahlung an die eigene Wallet, möglichst wenig technische Reibung im Alltag.
Ein wichtiges Prinzip vorweg
Coinos und Numo sind aktuell beide custodial – die eingehenden Funds liegen zunächst beim Anbieter. Beide lösen das auf elegante Weise: per Auto-Withdrawal-Funktion. Ab einem selbst gesetzten Schwellenwert wird automatisch an die eigene self-custodial Wallet ausgezahlt.
Das verschiebt das Custody-Risiko in den Bereich eigener Entscheidung: Wieviel bin ich bereit, kurzfristig beim Anbieter zu lassen? 50 €? 500 €? Je niedriger der Schwellenwert, desto mehr Onchain-Gebühren, aber desto weniger Custody-Risiko. Jeder Merchant kann das für sich selbst kalibrieren.
Coinos
Ein einziger Account, der Onchain, Liquid, Lightning und Cashu auf einmal abdeckt. Sehr niedrige Gebühren (0,1% beim Auszahlen), Web-basiert (kein App-Store nötig), Open Source.
Für Merchants, die maximale Flexibilität bei Annahme-Optionen wollen, ist Coinos schwer zu schlagen. Ein Kunde mit Lightning, einer mit Liquid, einer mit Cashu – alle landen auf demselben Account.
Numo
Die spannendste neue PoS-Lösung: Tap-to-Pay über NFC, vergleichbar mit der Apple-Pay-Erfahrung. Der Kunde tippt sein Handy ans Merchant-Phone, eine Cashu-Token-Übertragung läuft im Hintergrund, fertig. Funktioniert offline – wichtig auf Märkten oder bei schlechtem Empfang.
Tap-to-Pay setzt eine Cashu-Wallet beim Kunden voraus. Für klassische Lightning-Wallets (Phoenix, Blink, Alby Go etc.) gibt es Lightning-QR als Alternative – Numo unterstützt beide Wege.
Open Source, kostenlos, NFC funktioniert wegen iOS-Restriktionen nur auf Android.
Blitz
Wenn Blitz ohnehin schon im eigenen Stack ist (Lightning, Liquid, Rootstock, Stablecoins, eigener Hub), liegt der PoS-Modus direkt mit dabei. Kein zweiter Account, keine zweite App. Hier liegt die Custody-Frage anders – die Blitz Wallet ist self-custodial (auch wenn Spark mit eigenen Trust-Trade-offs kommt, siehe Teil 5).
Besonderheit: Blitz kann Stablecoin-Zahlungen im Hintergrund in Bitcoin umwandeln. Für Merchants, die kein Volatilitätsrisiko wollen: Kunde zahlt in USDT, im Konto landen Sats. Für Stablecoin-User, die nicht in Bitcoin investieren wollen: Kunde zahlt in USDT, du bekommst USDT. Diese Flexibilität ist im PoS-Bereich aktuell einzigartig.
Wann was?
→ Mehrere Annahme-Optionen ohne Hardware-Setup, möglichst niedrige Gebühren: Coinos.
→ Tap-to-Pay-Erlebnis im Laden, offline-fähig auf Märkten: Numo.
→ Wer Blitz ohnehin nutzt und Stablecoin-Annahme braucht: Blitz.
Mein Fazit:
Ich nutze keine dieser drei Apps täglich, weil ich keinen Laden betreibe. Aber jede löst ein konkretes Problem auf eigene Weise – und gemeinsam zeigen sie, dass Bitcoin im stationären Handel mittlerweile reif für Mainstream-Akzeptanz ist. Keine teuren Terminals, keine Plattform-Gebühren, keine Banken im Hintergrund.
Wer einen Laden, einen Marktstand oder ein Café betreibt: alle drei sind einen ernsthaften Blick wert.
Splitbit
PWA zum Aufteilen von Ausgaben zwischen zwei Personen. Wer hat was gezahlt, wer schuldet wem — gesettled wird über Lightning.
Kein Account, keine Telefonnummer, kein App Store. Browser auf, eintragen, Bolt-Invoice, fertig.


Splitbit – Ausgaben teilen
Shared Balance is a PWA for tracking and splitting expenses between two people.
Bitcoin Apps, die ich nutze – Teil 11: Cowbolt
Heute eine App, die ein Problem löst, das in keiner anderen Wallet bisher angesprochen wurde: Cowbolt – Bitcoin-natives Expense-Splitting für Gruppen.
Ich habe jahrelang Splid mit meiner Frau genutzt. Eine sehr gute App fürs Aufteilen von Ausgaben, datenschutzfreundlich, ohne Account-Zwang. Was fehlte: Bitcoin. Ich habe den Entwickler mehrfach angeschrieben mit der Bitte, Bitcoin als Settling-Option einzubauen. Kein Interesse.
Dann kam Cowbolt – und löst genau das.
Was ich daran schätze:
→ Expense-Splitting plus sofortiges Settling in einer App. Meine Frau und ich tracken jede gemeinsame Ausgabe, und einmal im Monat settlen wir den offenen Betrag direkt aus der App heraus. Kein Wise, kein PayPal, keine Bank dazwischen.
→ Settling über Liquid integriert. Ein Swipe genügt – der Betrag wird per Liquid-Transaktion zwischen den self-custodial Wallets der Nutzer übertragen. Keine Netzwerk-Auswahl, keine Konfiguration. Liquid ist hier die ideale Wahl: schnell, günstig, vertraulich. Wer trotzdem lieber per Lightning settlen will, kann das außerhalb der App machen.
→ Self-custodial Bitcoin und USDT. Anders als bei Splitwise oder Splid liegen die Funds nirgendwo bei der App – jeder Nutzer hat seine eigene self-custodial Wallet eingebaut.
→ Group Chat eingebaut. Diskussionen über Ausgaben passieren in der App selbst, nicht in einem separaten Messenger – das hält Kontext und Beträge zusammen.
→ Funktioniert grenzüberschreitend. Wir leben zwischen Bangkok und Bukarest – klassisches Banking-Settling wäre ein Albtraum (FX-Gebühren, SWIFT-Verzögerungen, Wise als Pflicht-Zwischenhändler). Cowbolt ignoriert Grenzen, weil Bitcoin sie ignoriert.
→ No accounts, no intermediaries. Self-custody ist konsequent durchgezogen.
Was man wissen sollte:
→ Funktioniert nur mit Mitnutzern, die mitspielen. Splid funktioniert mit jedem, der eine App installiert. Cowbolt braucht Mitnutzer, die Bitcoin akzeptieren oder zumindest neugierig sind. In meinem Fall kein Problem, in vielen Familien oder Freundeskreisen schon.
→ Noch jung. App ist relativ neu (im aktuellen Update wurde z.B. die Convert-Funktion entfernt). Heißt: Features ändern sich, Stabilität ist gut, aber nicht so getestet wie etablierte Splitting-Apps.
→ Kleine Userbase. Verglichen mit Splid (1M+ Downloads) oder Splitwise ist Cowbolt eine Nische. Wer eine Mainstream-App sucht, ist falsch hier – wer eine Bitcoin-native Lösung sucht, ist genau richtig.
Mein Fazit:
Cowbolt ist die App, auf die ich gewartet habe – wortwörtlich, nach jahrelangen erfolglosen Anfragen bei Splid. Für meine Frau und mich ist sie der Daily Driver fürs gemeinsame Haushaltsbudget über zwei Länder hinweg. Monatliches Settling per Liquid – ein Swipe, fertig.
Das zeigt vielleicht am deutlichsten, was Bitcoin im Alltag tatsächlich verändern kann: nicht "Investment", sondern reibungsloses Settling in einer Welt, in der Beziehungen, Familien und Teams zunehmend grenzüberschreitend funktionieren. Cowbolt ist die erste App, die das wirklich konsequent umsetzt – Splitwise-UX, Bitcoin-Settlement.
Bitcoin Apps, die ich nutze – Teil 10: Alby Go
Heute die App, die ich aktuell am häufigsten nutze – und das hat eine kleine Geschichte: Alby Go.
Ich hatte ursprünglich einen eigenen Node mit Alby Hub zu Hause laufen. Bis die Hardware abrauchte. Statt neu aufzubauen, bin ich problemlos zu Alby Cloud umgezogen – das hostet meinen Hub jetzt, aber die Keys bleiben bei mir. Self-Custody in der Cloud, mit deutlich weniger Wartungsaufwand als der eigene Node.
Was ich daran schätze:
→ Self-custodial, auch in der Cloud. Alby Cloud hostet die Hub-Infrastruktur, aber die Channel-Keys bleiben bei mir. Strukturell ähnlich wie Phoenix mit ACINQ – ein Service-Anbieter stellt Infrastruktur, ich behalte die Custody.
→ NWC (Nostr Wallet Connect). Alby Go wird zum Backend für Nostr-Clients und andere Apps. Zaps gehen direkt aus der Wallet, Web-Apps können mit Erlaubnis und Budget-Limits darauf zugreifen. Das ist UX-mäßig ein riesiger Sprung – und ein Feature, das so kaum eine andere App bietet.
→ Lightning Address eingebaut. you@getalby.com funktioniert sofort, dient gleichzeitig als Nostr-Identifier. Mit eigener Domain auch personalisierbar.
→ Subkonten für Familie. Mehrere getrennte Sub-Wallets unter einem Hub. Damit können Familienmitglieder eigene Lightning-Wallets bekommen, ohne dass jeder einen eigenen Node oder eigene Channel-Liquidität braucht.
→ Reibungsloser Wechsel zwischen Self-Hosted und Cloud. Ich konnte ohne Datenverlust von eigenem Hub zu Alby Cloud wechseln. Funktioniert auch andersrum – wer wieder selbst hosten will, kann zurück. Alby ist konsequent darauf ausgelegt, dass User die Infrastruktur-Schicht selbst wählen können.
→ Bei aktiver Nutzung günstiger als Phoenix. Die monatliche Cloud-Gebühr fällt bei mir niedriger aus als die Phoenix-Routing- und Liquidity-Fees, die sonst entstehen würden. Das war eine Überraschung – und macht Alby Go für meinen Alltag attraktiv.
Was man wissen sollte:
→ Cloud-Anbieter als Single Point of Failure. Die Keys sind bei mir, aber wenn Alby als Service ausfällt, ist der Zugriff auf den Hub temporär beeinträchtigt. Recovery über die Keys bleibt jederzeit möglich, aber im Alltag ist man auf den Service angewiesen.
→ Self-Hosted bleibt die "stärkere" Option. Wer einen eigenen Hub auf Umbrel, Start9 oder Mini-PC betreiben will, hat keine Hosting-Abhängigkeit und ist auch von Alby als Firma unabhängig. Cloud ist die pragmatische Lösung – Self-Hosted ist die souveränere.
→ Monatliche Gebühr läuft. Anders als bei Phoenix (Pay-per-use über Fees) ist Alby Cloud ein Abo. Bei aktiver Nutzung lohnt es sich, bei Wenig-Nutzung wäre Phoenix günstiger.
Mein Fazit:
Alby Go ist meine meistgenutzte Wallet. Self-Custody ohne den Wartungsaufwand eines eigenen Nodes, mit NWC als Killer-Feature für Nostr und alles drumherum, plus Subkonten für die Familie – für meinen Alltag aktuell die beste Lösung.
Phoenix bleibt als zweite self-custodial Lightning-Wallet im Stack, mit anderen Trade-offs. Beide sind self-custodial, beide haben einen Service-Anbieter im Hintergrund (ACINQ bzw. Alby Cloud) – aber unterschiedliche Modelle. Welche besser passt, hängt davon ab, wie aktiv man ist und ob man die NWC- und Subkonten-Features nutzen will.
Bitcoin Apps, die ich nutze – Teil 9: Cake Wallet
Heute eine Wallet, die ich ehrlich gesagt selten benutze – aber für eine Sache, die kaum eine andere App so gut macht: Cake Wallet.
Der Grund warum sie in meinem Stack bleibt: Silent Payments.
Kurz: Was sind Silent Payments?
Klassisches Bitcoin-Empfangen leakt Privacy. Wer eine Adresse mehrfach veröffentlicht – für Tipping, Spenden, regelmäßige Einnahmen – macht alle eingehenden Zahlungen für jeden Chain-Beobachter korrelierbar.
Silent Payments lösen das. Du veröffentlichst eine statische "Empfangs-Adresse" (mehr ein Public Key als eine Adresse). Jede Wallet, die Silent Payments unterstützt, leitet daraus für jede Zahlung eine eigene, einzigartige On-Chain-Adresse ab, die nur du entschlüsseln kannst. Auf der Chain sieht es aus wie ganz normale, unabhängige Transaktionen – niemand kann erkennen, dass die Zahlungen dem gleichen Empfänger gehören.
Der Clou: Privacy passiert beim Empfänger, nicht beim Sender. Anders als bei PayJoin braucht es keine Koordination zwischen den Parteien.
Was ich an Cake schätze:
→ Silent Payments-Empfang sauber implementiert. Cake ist eine der wenigen Wallets, die SP produktiv anbietet. Für jede Form von veröffentlichter Empfangs-Adresse (Spenden, Tipping, Geschäftliches) ein echter Privacy-Sprung.
→ PayJoin v2 als Ergänzung. Auf der Send-Side hat Cake auch Privacy-Tools – passend für die andere Hälfte der Privacy-Gleichung.
→ Spark-Integration mit echten Privacy-Defaults. Anders als bei Blitz versteckt Cake bei Spark-Zahlungen die Spark-Adressen aus Lightning-Invoices und veröffentlicht keine Transaktionen an öffentliche Explorer. So wird Privacy zur Standardeinstellung, nicht zur optionalen Konfiguration.
→ Multi-Wallet-Architektur. Mehrere getrennte Wallets in einer App – nützlich für saubere Trennung verschiedener Use Cases.
→ Open Source, Hardware-Wallet-Support, kein KYC.
Was man wissen sollte:
→ Silent Payments funktionieren nur, wenn der Sender mitspielt. Solange wenige Wallets SP-Sender-Support haben, ist die Privacy-Wirkung eingeschränkt. Der Trend geht in die richtige Richtung – aber aktuell muss man wissen, dass nicht jeder Zahlende davon profitiert.
→ Multi-Coin-App. Cake unterstützt auch Monero und andere Coins. Für Bitcoin-only-Setups eine ästhetische Reibung – wer das nicht stört, ignoriert es einfach.
→ UX eher Power-User-orientiert. Nicht so eingängig wie Phoenix oder Aqua. Wer Cake nutzen will, sollte Bitcoin-Konzepte schon kennen.
Mein Fazit:
Ich nutze Cake selten – aber genau für Silent Payments ist sie aktuell schwer zu schlagen. Privacy auf der Empfänger-Seite ohne Lightning, ohne Cashu, direkt auf Bitcoin-Mainchain – das ist ein wichtiger Baustein, den noch zu wenige Wallets sauber abdecken. Solange das so bleibt, ist Cake mein Werkzeug für jeden Use Case, bei dem ich eine veröffentlichte Empfangs-Adresse brauche.
Für tieferen Privacy-Bedarf in meinem Alltag setze ich aber zunehmend auf Cashu – andere Architektur, andere Trade-offs, aber für mich der praktischere Weg.
Bitcoin Apps, die ich nutze – Teil 8: Bull Bitcoin
Heute eine Wallet-und-Exchange-Kombination, die in eine andere Liga spielt: Bull Bitcoin. Gegründet 2013 in Montreal, mittlerweile auch in Europa, Mexiko, Costa Rica, Argentinien und Kolumbien aktiv. Cypherpunk-orientiert, Bitcoin-only, 100% selbstfinanziert.
Bull ist nicht nur eine App, sondern ein Werkzeug, um sich Schritt für Schritt aus dem klassischen Banking zu lösen.
Was ich daran schätze:
→ Non-custodial Exchange. Bull hält die Coins nie, sondern leitet sie direkt in deine eigene Wallet. Anders als bei klassischen Krypto-Börsen gibt es keinen "Withdraw"-Schritt – du gibst von Anfang an deine eigene Adresse an.
→ Aus Bitcoin direkt fremde IBANs bezahlen. Ich nutze das, um EU-Rechnungen direkt zu begleichen – ohne Umweg über mein Bankkonto. Vermieter, Versicherungen, Abos: SEPA-Transfer an den Empfänger, ich verkaufe Bitcoin im Hintergrund. Das ist die eigentliche Stärke von Bull.
→ vIBAN integriert. Neu hinzugekommen: ein eigener Virtual IBAN auf meinen Namen. Den nutze ich aktuell, um Revolut, Wise und N26 aufzufüllen – mit dem mittelfristigen Ziel, diese Konten ganz auf 0 zu bringen und nur noch über Bull zu operieren.
→ BULL Wallet als eigenständige Wallet stark genug. Auch ohne Exchange-Nutzung lohnt sich die App: PayJoin (privacy-fördernde Transaktionen, wenn der Empfänger es unterstützt), Liquid-basierte Lightning-Zahlungen ohne Channel-Management, Auto-Transfer per non-custodial Atomic Swaps in die Cold Storage. Plus: Ark ist bereits im Experimentier-Modus integriert – ein neues Bitcoin-Layer-2 mit anderen Trade-offs als Lightning, an dem das Team aktiv mitentwickelt.
→ Cypherpunk-Ethos. Selbstfinanziert, Bitcoin-only, Open-Source. Das ist kein Marketing-Klingelwort, sondern erkennbar gelebt.
Was man wissen sollte:
→ KYC nur bei Exchange-Nutzung – nicht für die Wallet. Wer die BULL Wallet rein als selbst-verwaltete Liquid-Lightning-Wallet nutzen will, kann das ohne Identitätsabgabe. Erst wenn man die Exchange-Brücke nutzt – Bitcoin in Euro umwandeln, SEPA-Transfers an fremde IBANs, vIBAN beantragen – wird KYC nötig. Diese saubere Trennung gibt dem User die Wahl, wo er Compliance akzeptiert.
→ PayJoin braucht einen Partner. Funktioniert nur, wenn der Empfänger PayJoin auch implementiert hat. Bei normalen Adressen läuft die Zahlung als Standard-Transaktion durch.
→ Spreads und Gebühren. Non-custodial heißt nicht gebührenfrei – Bull verdient an Spreads beim Wechsel und an Service-Gebühren. Für gelegentliche Nutzung kein Problem, bei großen Volumen lohnt der Vergleich mit OTC-Optionen.
→ Verfügbarkeit länderabhängig. Aktuell EU, Kanada, Mexiko, Costa Rica, Argentinien, Kolumbien. Außerhalb dieser Regionen geht's nicht.
Mein Fazit:
Bull Bitcoin ist für mich kein "Konkurrent" zu Phoenix oder Aqua, sondern ergänzt sie auf einer anderen Ebene: nicht Wallet-Funktion, sondern Banking-Brücke. Mit der vIBAN-Funktion und der Möglichkeit, direkt aus Bitcoin EU-Rechnungen zu begleichen, ist Bull das einzige Werkzeug in meinem Stack, das mir realistisch ermöglicht, klassische Bankkonten Stück für Stück abzubauen. Das ist der eigentliche Gewinn – nicht eine weitere App, sondern ein Schritt Richtung tatsächlicher finanzieller Souveränität.
Und selbst wer nicht auf die Exchange-Funktionalität angewiesen ist, bekommt mit der Wallet eine technisch progressive App mit PayJoin, Liquid und Ark-Experimenten.
Bitcoin Apps, die ich nutze – Teil 7: Aqua
Nach der Blockstream App heute eine zweite Liquid-Wallet, die einen ganz anderen Ansatz fährt: Aqua, von JAN3 (der Firma um Samson Mow) für lateinamerikanische Märkte gebaut, aber weltweit genutzt.
Während Green eher Power-User adressiert, ist Aqua die einsteigerfreundliche Schwester im Liquid-Ökosystem. Ich nutze sie aktuell vor allem für eine Sache – aber genau dafür ist sie schwer zu schlagen.
Was ich daran schätze:
→ Peg-Ins integriert. Eingehende On-Chain-BTC landen automatisch als L-BTC in der Wallet. Gerade bei kleinen Beträgen praktisch, weil man die Liquid-Vorteile (schnellere Bestätigung, niedrigere Gebühren, Confidential Transactions) sofort nutzen kann, ohne extra einen Swap auszuführen. Genau das, was die Blockstream App nicht passiv kann.
→ Multi-Account. Mehrere getrennte Wallets in einer App – nützlich, um z.B. Reisekasse, Spargroschen und Tagesgeld sauber zu trennen.
→ USDt nativ und Cross-Chain. L-USDt direkt auf Liquid (günstig, vertraulich), oder Senden an USDt auf Tron/Ethereum (im Hintergrund über SideShift geswappt). Praktisch: Gebühren werden direkt in USDt gezahlt, kein separater Gas-Token nötig.
→ Einsteigerfreundlich. Aqua versteckt die Komplexität und macht Liquid für Leute zugänglich, die die Blockstream App überfordern würde. Im Zapstore verfügbar – passt damit ins Setup ohne Google Play.
Was man wissen sollte:
→ Balance-Refresh-Bug. Nach dem Senden oder Empfangen zeigt die Wallet die Balance manchmal nicht sofort aktualisiert an – ein Neustart der App hilft. Das hat schon den einen oder anderen Newcomer verschreckt, der dachte, seine Coins seien weg.
→ Kleine vs. große Peg-Ins. Bei kleinen Beträgen läuft im Hintergrund ein Atomic Swap, und es geht schnell. Bei größeren wird der echte Federation-Peg-In ausgelöst – mit 102 Bitcoin-Bestätigungen Wartezeit, also rund einen Tag. Wichtig zu wissen, damit man bei größeren Beträgen nicht ungeduldig wird.
→ Cross-Chain-USDt geht über SideShift. Bedeutet: zusätzliche Counterparty im Hintergrund, abhängig von SideShifts Liquidität. Funktioniert reibungslos, aber strukturell ist das ein Swap, kein direkter Send.
Mein Fazit:
Ich nutze Aqua aktuell ehrlich gesagt nur für Peg-Ins – aber genau dafür ist sie für mich unverzichtbar geworden. Wer Liquid in seinen Bitcoin-Stack integrieren will, ohne sich mit Sideswap oder Power-User-Wallets auseinanderzusetzen, findet hier die einfachste Lösung. Für mehr nutze ich andere Apps – aber als spezialisiertes Werkzeug ist Aqua exzellent.
Bitcoin Apps, die ich nutze – Teil 6: Blockstream App (Green)
Bevor wir zu Coinos und anderen Multi-Asset-Wallets kommen, müssen wir über Liquid reden. Und niemand ist dafür besser geeignet als die Wallet vom Hersteller selbst: die Blockstream App (früher Green).
Kurz: Warum Liquid überhaupt?
Liquid ist eine Bitcoin-Sidechain, betrieben von einer Federation aus Exchanges, Trading Desks und Wallet-Anbietern. L-BTC ist 1:1 durch BTC gedeckt. Was Liquid bringt:
→ Confidential Transactions. Beträge und Asset-Typen sind nicht öffentlich sichtbar.
→ ~2 Minuten Finality. Schnell und kalkulierbar.
→ Bitcoin-natives Stablecoin-Layer. L-USDt ohne den Umweg über Tron oder Ethereum.
→ Hardware-Wallet-Cold-Storage für Liquid Assets. Wer L-USDt langfristig sicher halten will, kann das mit einer Jade machen.
Trade-off: Liquid ist nicht Bitcoin-Mainchain. Die Federation muss vertrauenswürdig sein (11-of-15 Multisig). Peg-Out direkt geht nur für Federation-Mitglieder; Endnutzer brauchen einen Atomic Swap oder eine Exchange.
Was ich an der Blockstream App schätze:
→ Hardware-Wallet-Einbindung mit Jade. Cold Storage für L-BTC und L-USDt – das ist im Stablecoin-Universum eine Seltenheit.
→ Lightning auf der Hardware Wallet. Lightning-Empfang direkt auf der Jade ist live – einzigartig im gesamten Markt. Private Keys verlassen das Cold-Storage-Gerät nicht, auch nicht für Lightning.
→ Direkt von den Liquid-Erbauern. Wer Liquid verstehen will, fängt sinnvoll mit der App vom Hersteller an.
→ Self-Custody mit Wahl. Singlesig oder Multisig Shield (mit Blockstream als Co-Signer + 2FA) – je nach Sicherheitsbedürfnis.
→ Atomic Swaps zwischen Lightning, Liquid und Bitcoin. Lightning-Invoices lassen sich direkt aus dem L-BTC-Balance bezahlen, BTC kann aktiv in L-BTC geswappt werden – alles trustless aus der App.
→ Open Source, Tor-Support, kein KYC.
Was man wissen sollte:
→ Eingehende On-Chain-Transaktionen werden nicht automatisch nach Liquid konvertiert. Wer eine BTC-Adresse braucht, auf der eingehende Zahlungen direkt als L-BTC in der Wallet landen, ist mit Aqua oder Sideswap besser bedient. Die Blockstream App kann den Swap aus der App heraus aktiv ausführen, aber nicht passiv beim Empfang.
→ UX ist eher Power-User-orientiert. Singlesig vs. Multisig, Account-Verwaltung, Coin Control – alles vorhanden, aber für Einsteiger viel auf einmal.
→ Die Federation-Frage. Liquid ist nicht trustless wie Bitcoin-Mainchain. Wer das nicht akzeptieren kann, ist mit Liquid generell falsch – nicht nur mit dieser App.
Mein Fazit:
Für mich ist die Blockstream App wieder interessant geworden, seit ich Liquid auf der Jade-Hardware-Wallet sicher halten kann. Stablecoins im Cold Storage und Lightning-Empfang direkt auf der Hardware Wallet – das ist ein Use Case, den fast keine andere Wallet sauber abdeckt. Wenn passive On-Chain-zu-Liquid-Konvertierung beim Empfang noch dazukommt, wird die App zu einer der spannendsten überhaupt.
Und genau das zeigt, warum es bei Wallets keine universelle Antwort gibt: jede Architektur löst andere Probleme, jede macht andere Trade-offs. Welche zu dir passt, hängt davon ab, wie du lebst und was du erwartest.
Bitcoin Apps, die ich nutze – Teil 5: Blitz Wallet
Heute eine Wallet, die ich eigentlich gerne nutzen würde, aktuell aber nicht – weil sie in vielem ambitioniert ist, an einigen Stellen für mich noch nicht ganz rund läuft: Blitz Wallet.
Was sie besonders macht:
→ Mehr als eine Wallet – eine ganze Suite. Mobile App, Web Wallet (in Entwicklung), Point-of-Sale-System für Merchants und eine eigene Recovery-Plattform.
→ Vielseitig wie kaum eine andere App. Lightning, On-Chain, Liquid, Rootstock und Stablecoins in einer Wallet.
→ Spark als Layer-2-Basis. Spark to Spark Transfers ohne Gebühren, kein Channel-Management, keine Inbound Liquidity, keine Node-Uptime nötig.
→ USDB statt synthetischer Stablecoins. Echter regulierter Stablecoin auf Bitcoin-L2, von Brale ausgegeben, durch US-Treasury Bills gedeckt. Lightning-Zahlungen direkt aus dem USDB-Account – konzeptuell ähnlich wie Stablesats bei Blink, aber mit echtem Backing statt Hedging.
→ Recovery-Plattform ist self-hosted und open-source. Selbst wenn Blitz als Anbieter verschwinden würde, bleibt die Wiederherstellbarkeit erhalten.
→ Onboarding-Features. Gifts via Link (auch an Nicht-User), Group Wallets für Gruppenkassen, Contact-based Payments.
Was mich (noch) bremst:
→ USDB-Konvertierung lief bei mir nicht zuverlässig. Möglicherweise inzwischen behoben, aber zeigt: noch frühe Phase.
Demnächst wohl Lightning-Zahlungen direkt aus den Stablecoin USDB heraus möglich
Eingehende USDt oder USDC auf der Polygon Chain werden in Bitcoin umgewandelt
→ Privacy bei Spark ist nicht automatisch gegeben. Spark hat einen öffentlichen Block-Explorer (Sparkscan); Privacy ist eine Implementierungsentscheidung der Wallet, nicht des Protokolls. Cake Wallet zeigt mit ihrer Spark-Integration, wie es gehen sollte: Spark-Adressen werden nicht in Lightning-Invoices eingebettet, Transaktionen nicht an öffentliche Explorer publiziert. Bei Blitz ist mir nicht klar, ob und wie diese Privacy-Defaults umgesetzt sind – während "Self-Custody und Privacy" als Marketing kommuniziert wird.
→ Spark als Trust-Modell. Operator-basiertes Threshold-Modell, strukturell näher an Fedimint-Federations als an reinem Lightning. Funds bleiben self-custodial (User können jederzeit unilateral exitieren), aber das Marketing "Your keys, your money" greift zu kurz.
→ Zahlungen brauchen manchmal etwa 20 Sekunden. Für Bitcoin-Verhältnisse okay, für Leute, die Kartenzahlungen gewohnt sind, eventuell zu langsam.
Mein Fazit:
Blitz ist die ambitionierteste Wallet, die ich kenne – und genau das macht sie spannend zu beobachten. Die Recovery-Plattform und das Feature-Set sind beeindruckend. Was mir fehlt, ist Klarheit beim Privacy- und Trust-Modell. Cake Wallet beweist mit ihrer eigenen Spark-Integration, dass es deutlich besser geht – ohne Spark-Adresse in Invoices, ohne öffentliche Explorer-Sichtbarkeit. Bis Blitz hier nachzieht oder die eigene Implementation öffentlich dokumentiert, beobachte ich lieber.
Bitcoin Apps, die ich nutze – Teil 4: Cashu.me
Nach Phoenix, Blink und Fedi heute eine Wallet, die nochmal einen ganz anderen Trust-Ansatz fährt: Cashu.me, eine Web-Wallet für das Cashu-Protokoll.
Was ich daran schätze:
→ Cashu-Tokens sind Bearer Instruments. Wer den Token hat, hat die Sats. Lassen sich als Text verschicken – per Chat, Mail oder Nostr-DM.
→ Starke Privacy gegenüber dem Mint. Durch Chaumian Blind Signatures sieht der Mint nicht, wer welchen Token hält – ähnliches Prinzip wie bei Fedimint.
→ npub.cash-Workflow für Nostr-Zaps. Zaps an meine Nostr-Identität landen automatisch als Cashu-Token beim hinterlegten Mint – ohne dass ich eine Lightning-Wallet online halten muss. Empfangen ohne Channel-Liquidität, ohne eigene Node, ohne Setup-Aufwand.
→ Mehrere Mints parallel nutzbar. Im Auswahlmenü stehen viele zur Verfügung – anhand der Bewertungen kann man sich selbst für eine entscheiden. Transaktionen innerhalb desselben Mints sind gebührenfrei, das macht Mint-Wahl zur strategischen Frage.
→ Web-App. Keine Installation, plattformübergreifend, läuft im Browser.
Was man wissen sollte:
→ Mint-Risiko ist hart. Einzelne Mint = einzelner Custodian. Wenn die Mint weg ist – Server-Crash, Rugpull, Beschlagnahmung – sind die dort hinterlegten Sats weg. Kein Threshold-Schutz wie bei Fedimint. Spannender Entwicklungspfad: Mints, die ihre Schlüssel in Hardware-Enklaven halten, um Rugpull-Risiko strukturell zu reduzieren – noch in Arbeit, aber ein wichtiger Trend.
→ Tokens liegen im Browser-Speicher. Wer den Cache löscht ohne Backup, verliert die Tokens. Backup-Verständnis ist Pflicht.
→ NFC funktioniert nicht in Vanadium. Wer Cashu-Tokens per NFC übertragen will, braucht einen anderen Browser oder eine native App.
→ Mint-Auswahl ist eine Vertrauensfrage. Wer betreibt die Mint, wie zuverlässig, wie transparent? Bewertungen im Auswahlmenü helfen, ersetzen aber kein eigenes Urteil.
→ Noch frühe Phase. Cashu-Standard entwickelt sich, nicht jede Wallet kompatibel mit jedem Feature.
Mein Fazit:
Cashu.me nutze ich vor allem als Empfangsstation für Nostr-Zaps via npub.cash – elegant, privacy-freundlich, ohne dass ich eine Lightning-Wallet permanent online halten muss. Für größere Beträge ist Cashu in seiner aktuellen Form nichts; für den Nostr-Alltag und kleine Token-Transfers genau richtig.
Bitcoin Apps, die ich nutze – Teil 4: Cashu.me
Nach Phoenix, Blink und Fedi heute eine Wallet, die nochmal einen ganz anderen Trust-Ansatz fährt: Cashu.me, eine Web-Wallet für das Cashu-Protokoll.
Was ich daran schätze:
→ Cashu-Tokens sind Bearer Instruments. Wer den Token hat, hat die Sats. Lassen sich als Text verschicken – per Chat, Mail oder Nostr-DM.
→ Starke Privacy gegenüber dem Mint. Durch Chaumian Blind Signatures sieht der Mint nicht, wer welchen Token hält – ähnliches Prinzip wie bei Fedimint.
→ npub.cash-Workflow für Nostr-Zaps. Zaps an meine Nostr-Identität landen automatisch als Cashu-Token beim hinterlegten Mint – ohne dass ich eine Lightning-Wallet online halten muss. Empfangen ohne Channel-Liquidität, ohne eigene Node, ohne Setup-Aufwand.
→ Mehrere Mints parallel nutzbar. Im Auswahlmenü stehen viele zur Verfügung – anhand der Bewertungen kann man sich selbst für eine entscheiden. Transaktionen innerhalb desselben Mints sind gebührenfrei, das macht Mint-Wahl zur strategischen Frage.
→ Web-App. Keine Installation, plattformübergreifend, läuft im Browser.
Was man wissen sollte:
→ Mint-Risiko ist hart. Einzelne Mint = einzelner Custodian. Wenn die Mint weg ist – Server-Crash, Rugpull, Beschlagnahmung – sind die dort hinterlegten Sats weg. Kein Threshold-Schutz wie bei Fedimint. Spannender Entwicklungspfad: Mints, die ihre Schlüssel in Hardware-Enklaven halten, um Rugpull-Risiko strukturell zu reduzieren – noch in Arbeit, aber ein wichtiger Trend.
→ Tokens liegen im Browser-Speicher. Wer den Cache löscht ohne Backup, verliert die Tokens. Backup-Verständnis ist Pflicht.
→ NFC funktioniert nicht in Vanadium. Wer Cashu-Tokens per NFC übertragen will, braucht einen anderen Browser oder eine native App.
→ Mint-Auswahl ist eine Vertrauensfrage. Wer betreibt die Mint, wie zuverlässig, wie transparent? Bewertungen im Auswahlmenü helfen, ersetzen aber kein eigenes Urteil.
→ Noch frühe Phase. Cashu-Standard entwickelt sich, nicht jede Wallet kompatibel mit jedem Feature.
Mein Fazit:
Cashu.me nutze ich vor allem als Empfangsstation für Nostr-Zaps via npub.cash – elegant, privacy-freundlich, ohne dass ich eine Lightning-Wallet permanent online halten muss. Für größere Beträge ist Cashu in seiner aktuellen Form nichts; für den Nostr-Alltag und kleine Token-Transfers genau richtig.
Eine Anmerkung zur Serie:
Diese Reihe ist keine Empfehlungsliste. Es gibt so viele Wallets mit so unterschiedlichen Vor- und Nachteilen, dass es unmöglich ist, einfach so eine Wallet zu empfehlen.
Welche zu dir passt, hängt davon ab:
→ Was machst du damit? Sparen, alltägliche Zahlungen, Reisen, Empfangen, P2P-Trades?
→ Was wertschätzt du? Self-Custody, Privacy, UX, Onboarding-Tauglichkeit, Hardware-Integration?
→ Welche Trade-offs gehst du bewusst ein? Custodial für Komfort, Federation für Mittelweg, eigener Node für Souveränität?
Mein Setup passt zu meiner Lebensweise: nomadisch, privacy-orientiert, GrapheneOS, zwischen Bangkok und Bukarest. Wenn du anders lebst, wirst du andere Apps brauchen – und das ist gut so.
Diese Serie soll dir helfen, die Trade-offs zu verstehen, nicht dir die Entscheidung abnehmen.
Bitcoin Apps, die ich nutze – Teil 3: Fedi
Nach Phoenix (self-custodial Lightning) und Blink (custodial Lightning) heute eine Wallet, die einen ganz eigenen Trust-Mittelweg geht: Fedi, basierend auf Fedimint.
Ich nutze Fedi seit rund zwei Jahren – mittlerweile gehört sie zu meinem festen Setup.
Was ich daran schätze:
→ Federated Custody. Nicht ein einzelner Betreiber wie bei Blink, sondern mehrere Guardians per Threshold-Signatur. Ein einzelner Guardian kann weder stehlen noch zensieren.
→ Privacy gegenüber den Guardians. Durch Chaumian Blind Signatures sieht die Federation nicht, wer welche Tokens hält. Echter struktureller Unterschied zu klassischen Custodians.
→ Mehrere Federations parallel nutzbar. Ich nutze die Global Bitcoin Federation (mit synthetischer USD-Funktion) und den Ecash Club (höhere Limits) – je nach Bedarf.
→ Mods machen Fedi zur Plattform, nicht nur zur Wallet. Bitrefill direkt in der App für Mobilfunk-Aufladungen unterwegs. PPQ.ai für KI-Zugang per Sats, ohne Account, ohne KYC. Und PlebQR – damit zahle ich in Thailand reale PromptPay-QR-Codes mit Sats: an Automaten, beim Frisör, in Restaurants und Cafés. An Stellen mit Schlange wie 7-Eleven eher nicht – die Bestätigung kann bis zu zwei Minuten dauern.
→ Integrierte Chat-Funktion und Mods-Verzeichnis. Beides direkt in der App – über das Verzeichnis findet man weitere Mods für VPN-Anbieter, Shops, Tools. Macht Fedi zu einem kleinen Ökosystem, nicht nur zu einem Zahlungsmittel.
Was man wissen sollte:
→ Federation-Risiko ist real. Wenn die Guardian-Mehrheit ausfällt oder kompromittiert wird, sind die Funds in Gefahr. Nichts für Lebensersparnisse, aber für den Alltag ein guter Trade-off.
→ Federations sind nicht alle gleich. Die Auswahl ist eine eigene Vertrauensfrage – wer betreibt sie, wie transparent ist das Setup?
→ Synthetisches USD ist nicht echtes USD. Funktioniert über Hedging-Mechanismen, eigenes Counterparty-Risiko.
→ Noch frühe Phase. Die Software entwickelt sich, Standards reifen noch.
Mein Fazit:
Fedi ist die spannendste Antwort auf die Frage: was, wenn self-custodial zu kompliziert und custodial zu zentralisiert ist? Für mich ist die App wegen der Mods und vor allem wegen PlebQR in Thailand inzwischen unverzichtbar. Self-Custody bleibt für größere Beträge das Richtige – aber für den Alltag ist Fedi schwer zu schlagen.
Wer nur die einfache Zahlfunktion nutzen möchte, ohne Chat und Mods, findet mit der Ecash App eine abgespeckte Schwester von Fedi – gleicher Federated-Custody-Ansatz, deutlich reduzierter Funktionsumfang. Link in der Antwort.
Bitcoin Apps, die ich nutze – Teil 2: Blink
Nach Phoenix heute eine Wallet aus einer ganz anderen Ecke: Blink. Entstanden aus dem Bitcoin Beach Projekt in El Salvador, mittlerweile global nutzbar.
Was ich daran schätze:
→ Sehr einfache Bedienung. Wahrscheinlich die zugänglichste Lightning-Wallet überhaupt – gut für Einsteiger oder als Zweitwallet.
→ Lightning Address inklusive. username@blink.sv funktioniert sofort, ohne dass man verstehen muss was im Hintergrund passiert.
→ Login per E-Mail möglich. Kein Phone-Number-Lock-in nötig – für Reisende relevant, weil die E-Mail-Adresse SIM-Wechsel überlebt.
→ Stablesats funktionieren bidirektional. Lightning-Invoices lassen sich direkt aufs USD-Konto empfangen und von dort aus auch wieder Lightning zahlen. Quasi ein synthetisches USD-Konto mit Lightning-Anschluss – praktisch wem die Volatilität zu viel ist.
→ Funktioniert gut mit RoboSats. Die Hold Invoice wird zuverlässig im Hintergrund gehalten, solange der Vertrag läuft – bei vielen anderen Wallets ein Problem.
Was man wissen sollte:
→ Custodial. Blink hat die Coins, nicht du. Keine Seed-Phrase. Damit für mich keine Wallet für größere Beträge.
→ VPN muss beim Login aus sein. Passiert selten, weil man sich kaum ausloggt – aber bei Neuinstallation oder Re-Login wichtig zu wissen, sonst kommt man nicht rein.
→ KYC-Limits ohne Verifikation. Wer mehr Volumen will, muss Identitätsdaten abgeben.
Mein Fazit:
Heute ist Blink für mich keine Hauptwallet mehr, aber für kleine Vor-Ort-Zahlungen bei Merchants über BTC Map sehr zuverlässig. Außerdem nach wie vor eine der besten Optionen für Onboarding und ein nützliches Tool bei P2P-Trades über RoboSats. Und die Stablesats-Idee finde ich konzeptuell stark – synthetisches USD direkt in einer Bitcoin-Wallet ist elegant gelöst.
Bitcoin Apps, die ich nutze – Teil 1: Phoenix
Ich starte eine kleine Serie, in der ich die Apps vorstelle, mit denen ich täglich arbeite. Ehrlich, mit Vor- und Nachteilen, aus der Perspektive von jemandem, der unterwegs lebt.
Den Anfang macht Phoenix – meine Lightning-Wallet auf dem Handy.
Was ich daran schätze:
→ Self-Custodial. Meine Coins, mein Seed.
→ Funktioniert fast immer. Hohe Zuverlässigkeit bei Zahlungen, auch wenn das Gegenüber eine eher unbekannte Node ist. Das liegt an Trampoline-Routing – als Nutzer merke ich nur, dass Payments durchgehen statt zu scheitern.
→ Splicing. Mein Channel kann vergrößert werden, ohne ihn zu schließen. Klingt technisch, ist aber praktisch: keine Unterbrechung, keine doppelten On-Chain-Gebühren.
→ Bolt 12. Statische, wiederverwendbare Empfangsadressen – ein echter UX-Sprung gegenüber klassischen Invoices.
Was man wissen sollte:
→ Die Gebühren. Lightning-Service-Fees beim Aufbau und Erweitern von Channels sind nicht zu vernachlässigen, gerade bei kleinen Beträgen.
→ Force-Close-Recovery. Wenn ACINQ irgendwann mal weg sein sollte, kommt man trotzdem an seine Coins – aber man muss wissen wie. Ist nicht schwer, aber man sollte sich das vorher einmal angeschaut haben, nicht im Ernstfall.
Mein Fazit:
Phoenix ist für mich die Lightning-Wallet, die "es funktioniert einfach" am ehesten einlöst – ohne dass ich die Custody aus der Hand gebe. Für Normalnutzer, die nicht ihren eigenen Node betreiben wollen, aktuell die beste Option.
#Bitcoin #Lightning #Phoenix
Die NPCs haben gelernt, 'NPC' zu sagen. Das Skript wurde geupdated.